Trauma

Porges Polyvagal-Theorie

Nach Porges Polyvagal-Theorie wird unsere neurobiologische Reaktion auf Reize unserer Umgebung durch unser autonomes Nervensystem beeinflusst, welches sich in drei Subsysteme gliedern lässt:

a.    Der ventral-parasympathische Zweig des Vagusnerves (System soziales Engagement/Fertigkeiten)

b.    Das sympathische System (Mobilisierung, Kampf - Flucht)

c.    Der dorsal- parasympathische Zweig des Vagusnerves (Immobilisierungsreaktion, Starre).

Sicherheit, Geborgenheit, Stütze

Soziales Engerment/Fertigkeiten

  • schnell auf die Umgebung eingehen können
  • rasch mit anderen Menschen in Beziehung treten können
  • Herzfrequenz regulieren
  • Gesichtsausdruck unseres Gegenübers zuordnen können

Ist das Urteil: nicht-bedrohliche Situation,

dann hilft dieses System:

  • uns flexibel anzupassen
  • soziale Beziehungen aufzubauen
  • positive Bindungen einzugehen

Ist das Urteil bedrohlich:

  • Schwierigkeiten, positive Emotionen von Personen in ihrer Umgebung adäquat wahrzunehmen und einzuschätzen: 
  • es fällt schwer, die Mimik und Körperhaltung richtig zu deuten
  • schlechtes Gelingen, eigene Affekte differenziert wahrzunehmen

Wenn diese Fähigkeit jedoch gestört ist, ist es kaum möglich:

  • herauszufinden ob das Gegenüber Feind oder Freund ist
  • wissen, wann man sich in Gefahr oder in Sicherheit befindet
  • in einen offenen Kontakt zu Mitmenschen zu treten
  • von ihnen Unterstützung zu empfangen oder beruhigende Gefühle auszutauschen.
  • Fähigkeit für soziale Kontakte ist somit zum großen Teil reduziert
  • isoliert von Mitmenschen 

 

 

Mobilisierung (Kampf-Flucht) 

Mobilität (Stress)

Erhöhung der metabolischen Aktivität

 

 

Überlebensmechanismen werden aktiviert

  • Körper mobilisiert sämtliche ihm zur Verfügung stehende Energie
  • bereitet sich auf eine starke Aktivität vor

Dadurch:

  • Atmung vertieft und beschleunigt sich
  • Herzfrequenz steigt an
  • Blut aus der Oberfläche fließt in die Muskeln
  • Blutzufuhr zum Gehirn verringert sich 
  • Wachsamkeit gegenüber der Umgebung wird erhöht
  • Körpersysteme die gerade nicht benötigt werden (z.B. Verdauung, Sexualtrieb) werden heruntergefahren.

Bereitschaft des Körpers zu

Kampf oder Flucht

 

Kampf- und Fluchtsystem kann das System soziale Fertigkeiten blockieren.

 

Immobilisierung (Starre)

Immobilität (massiver Stress)

Unterdrückung der metabolischen Aktivität

 

Lebebsgefahr droht -Wahrnehmung, zu sterben oder intensiven und permanenten Stress.

Aktiviert wird dieser Zweig u.a. durch Hypoxie (also Sauerstoffmangel in den Körpergeweben

  • Absinken der Erregung in eine Art Untererregungs-Zone
  • Absenken der Herz- und Atemfrequenz
  • Muskelentspannung
  • Gefühlen von Taubheit
  • Distanz(Dissoziation)
  • Stimme scheint wie erstickt zu sein
  • nicht in der Lage sein zu schreien


Seine Überlebenssicherungsstrategie ist die Immobilisation, also das Erstarren bzw. Totstellen. Durch die Einschränkung vieler Körperfunktionen soll Energie erhalten werden.

 

Bereitschaft des Körpers zu

sterben vs. überleben

 

Das Immobilisationssystem legt das System soziale Fertigkeiten vollständig lahm, wodurch jegliches Bindungsverhalten oder Beruhigungsverhalten nicht mehr möglich ist.

 

 


Erweisen sich derartige Bemühungen in bestimmten Situationen jedoch als zwecklos

aktiviert sich automatisch unser 

(sympathisches Nervensystem) -> Gefahr

Führt Kampf oder Flucht  zum Erfolg:

reduziert sich einerseits das Ausmaß der Bedrohung und andererseits werden die entsprechenden Botenstoffe, die ausgeschüttet wurden im Rahmen der Alarmreaktion (z.B. Adrenalin, Cortisol), abgebaut.

Dies führt dazu, dass die Erregung wieder in den optimalen Zustand <-- Sicherheit zurückfällt.

 

Wenn beide Systeme jedoch versagen, wird schließlich das System -> Lebensbedrohung aktiviert, welches gleichzeitig das primitivste und älteste System darstellt



Was ist ein Trauma?

Im deutschen Klassifikationssystem ICD-10 sind die Kriterien eines traumatischen Ereignisses erfüllt, wenn die betroffene Person kurz- oder langanhaltend einem Ereignis ausgesetzt war, welches bei fast jedem Menschen eine tiefgreifende Verzweiflung hervorrufen würde, aufgrund ihrer außergewöhnlichen Bedrohung bzw. ihres katastrophalem Ausmaßes

 

Im Amerikanischen Klassifizierungssystem DSM-IV musste ein psychisches Trauma  zwei Aspekte erfüllen:

1) Ein betroffene Person muss ein Ereignis erleben oder Zeuge eines solchen sein, welches mit einer relevanten Bedrohung für den eigenen Körper oder der psychischen Integrität der betroffenen Person selbst oder einer anderen Person einhergeht

2) Die Reaktion auf dieses Ereignis beinhaltet ein ausgeprägtes Hilflosigkeitsempfinden, intensive Furcht und Horror 

 

  • ein psychisches Trauma kann jeden gesunden Menschen treffen.
  • es ist ein extrem bedrohliches Ereignis
  • es übersteigt unsere (derzeitigen) Bewältigungsmöglichkeiten
  • das Ereignis als Opfer, als Zeuge oder indirekt erlebt worden sein
  • das Ereignis erzeugt starke Emotionen, wie z.B. Angst, Hilflosigkeit, Ohnmacht
  • es würde so ziemlich jeden anderen Menschen auch in eine tiefe Verzweiflung stürzen
  • es erschüttert das Selbst- und Weltverständnis nachhaltig

Wieso bilden aber einige Patienten eine PTBS (Posttraumatische Belastungsreaktion) aus, andere aber nicht?

Bindungserfahrungen

Für unser Überleben ist es notwendig, zwischen gefährlichen und ungefährlichen Situationen unterscheiden zu können. Wie jedoch lernen wir, was für uns Sicherheit bzw. Gefahr bedeutet? Einen wichtigen Ansatzpunkt zur Klärung dieser Fragen stellt die Bindungsforschung zur Verfügung. Wie bereits erläutert, beeinflussen unsere frühesten primären Bezugspersonen (meist Mutter, Vater) wie wir die Wirklichkeit wahrnehmen, was wiederum einen entscheidenden Einfluss auf unser sich noch in der Entwicklung befindendes Gehirn hat. Die Interaktionen mit unseren Bezugspersonen zeigt uns, was gefährlich oder sicher ist, wer verlässlich ist bzw. wer uns immer wieder enttäuschen wird und auch, wie wir unsere Bedürfnisse erfüllt bekommen. Hier wird der Grundstein dafür gelegt, wie wir über uns selbst und die uns umgebende Welt denken.

 Früh auftretende Beziehungstraumata sind für eine unzureichende Entwicklung eines bestimmten Hirnsystems (orbitofrontales System) verantwortlich, wodurch die Entwicklung einer adäquaten Affektregulierung verhindert wird. Außerdem sind sie eine Ursache dafür, dass später unser System sozialen Engagements gestört ist und wir in Gefahrensituationen eher auf Defensivstrategien zurückgreifen. Weiterhin stellt ein unsicheres Bindungsmuster einen Risikofaktor für das Auftreten einer Posttraumatischen Belastungsstörung nach traumatischen Ereignissen dar, wohingegen eine sichere Bindung ein Schutzfaktor ist, der das Auftreten von Traumafolgestörungen verhindern kann. 

 


Risikofaktoren für die Traumaverarbeitung - Traumafolgestörungen

sichere Bildung

  • vorhersehbar, fürsorglich, gerecht
  • fördert die Entwicklung adäquater Affektregulierung,
  • Problembewältigungsstrategien,
  • innerer Kontrollüberzeugungen,
  • Selbstgewahrsein,
  • Beziehungsfähigkeit,
  • eigene Bedürfnisse erkennen,
  • Grenzen wahren und setzen,
  • Schutzfaktor vor Psychopathologie (psych. Symptomen) nach traumatischen Ereignissen

unsicher-ambivalente Bindung

  • Reaktionen der Mutter unvorhersehbar und unberechenbar
  • Verstärktes Bemühen des Kindes, Aufmerksamkeit der Mutter auf sich zu ziehen (Schreien, Brüllen, Anklammern)
  • Verstärkt interaktive Selbstregulationsstrategien, aber es tritt keine richtige Beruhigung ein, aufgrund Hypervigilanz (erhöhte Wachsamkeit)
  • Gestörtes System sozialer Fertigkeiten
  • Werden oft zu Opfern
  • Risikofaktor für das Auftreten von Traumafolgestörungen

unsicher-vermeidende Bindung

  • Mutter ablehnend, kein Körperkontakt
  • Kind reagiert ebenfalls mit Rückzug, verstärkten Auto-Selbstregulationsstrategien
  • Gestörtes System sozialen Engagements/Fertigkeiten
  • Risikofaktor für Auftreten von Traumafolgestörungen

 

desorganisierte-desorientierte Bindung

  • (aufgrund von) Misshandlung, Missbrauch oder Vernachlässigung durch die Bindungsperson
  • Kind: inkongruentes Verhalten durch das Wirken zweier konträrer Systeme (Kampf- Flucht , Immobilität)
  • gestörtes System sozialer Fertigkeiten
  • Risikofaktor für das Auftreten von Traumafolgestörungen


Was ist ein Flashback?

Synonyme: Nachhallerinnerung, Nachhallerlebnis, Nachhallpsychose Wiedererleben, Echorausch, Intrusion  

Definition

Als Flashbacks werden unwillkürliche, vorübergehende Erinnerungen bezeichnet, die plötzlich nach einem Schlüsselreiz (Trigger) von Neuem durchlebt werden müssen. Man unterscheidet natürliche Flashbacks, die durch Schlüsselreize aus der Kindheit (Klänge, Düfte, Bilder, Orte) ausgelöst werden und Flashbacks, die im Rahmen von psychischen Erkrankungen und Suchtmittelmissbrauch auftreten. Flashbacks können von unterschiedlichen Gefühlen geprägt sein (Wut, Freude, Angst, Trauer) und dauern meist wenige Sekunden bis zu einer Minute. Physiologische Begleiterscheinungen wie Schwitzen, Herzklopfen, Zittern, etc. sind möglich. Drogeninduzierte Flashbacks können die Symptome früherer Halluzinogenepisoden wiederholen, treten episodisch auf und sind ebenfalls von kurzer Dauer.

 

Quelle: https://flexikon.doccheck.com/de/Flashback 


Kann da sowas wie "klopfen" helfen? ........... .JA, kann es!